Donnerstag, 3. März 2016

Ein Schulbuch, das keiner versteht

Digitale Lernmaterialien sollen irgendwann das alte Schulbuch ersetzen. Die Bundesregierung treibt die neue Pädagogik mit viel Geld voran. Zwei Studien sollen offenbar nur beweisen, wie erfolgreich die sogenannten „Open Educational Resources“ sind

Stell Dir vor, es gibt ein neues Schulbuch – und keiner versteht es, Lehrer nicht, Eltern nicht, schon gar nicht die Schüler. Auf diesen kurzen Nenner lässt sich ein neues Projekt von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bringen, das den Namen „Open Educational Resources“ trägt, kurz OER. Dennoch hat Wanka gerade 750.000 Euro für zwei Machbarkeitsstudien ausgegeben – um die neue Geheimpädagogik voranzutreiben.

Unter „Open Educational Resources“ versteht man alle möglichen Lernmaterialien, die meistens digital sind. Das bedeutet, sie sind für Lehrer einfach zu bearbeiten und weiter zu verteilen: Arbeitsblätter für den Unterricht, Lehrvideos, didaktische Materialsammlungen, auch offene Games- und Quiz-Formate zählen dazu. Die beiden Studien im Auftrag von Bildungsministerin Wanka sollten mehr Klarheit darüber bringen, wie man die neuen Lernmedien unter den 800.000 Lehrern bekannter machen könnte. Denn die kennen vor allem Schulbücher. Allerdings dürfte das Bekanntmachen nicht leicht fallen. Denn die beauftragten Institutionen als auch die Bundesregierung haben aus den vermeintlich offenen Bildungsmaterialien ein elitäres Projekt gemacht.

Offene Lernmaterialien, die extrem schwer lesbar sind

So weigerte sich die Sprecherin im Bundesbildungsministerium, Sibylle Quenett, den Auftrag für die Open-Studie herauszugeben. „Leistungsbeschreibung beziehungsweise Auftragstexte“, sagte Quenett zu Cicero-Online, „sind nicht für eine Herausgabe bestimmt“. Diese so genannte Machbarkeitsstudie hat das „Deutsche Institut für pädagogische und internationale Forschung“ (DIPF) in Frankfurt angefertigt. Das Papier handelt zwar von offenen Lernmaterialien – ist aber extrem schwer lesbar. So heißt es in der

Zusammenfassung, das DIPF empfehle „die Vernetzung bestehender (Teil‐)Infrastrukturen zu einem Aggregationsmechanismus“. Dies sei nötig, da „die disparat verteilten, abgegrenzte Communitys adressierenden Kollektionen auf der Basis interoperabler Nachweis‐ und Austauschroutinen“ verknüpft werden müssten. Der Direktor des Instituts, Marc Rittberger, verteidigte im Gespräch mit Cicero die Studie. Das Papier richte sich schließlich an das Ministerium – und sei nicht für Eltern, Lehrer oder Bürger bestimmt. Aber, sollten nicht auch die Bürger Lernmedien verstehen, die angeblich „offen“ sind?
mehr:
- Ein Schulbuch, das keiner versteht (Christian Füller, Cicero, 29.02.2016)
siehe auch:
Bildung ohne System (Nervenheilkunde 3/2012) 
E-Bücher statt Lehrbücher?  (Nervenheilkunde 6/2012)
Digital genial? (Nervenheilkunde 1-2/2015) 
- Die Pisa-Studie (Homepage von Gregor Jonas)

Wie lernen Kinder? Aktuelles aus der Gehirnforschung [1:34:34]
Veröffentlicht am 29.08.2012
Symposiumsvortrag von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer während der AAD 2012. Mit den aktuellen Erkenntnissen der Neurowissenschaft beantwortet Prof. Dr. Dr. Spitzer die spannende Frage: Wie lernen Kinder? Diese Erkenntnisse verdeutlichen die Notwendigkeit möglichst früher Okklusionstherapie und helfen kindgerechte Therapieempfehlungen auszusprechen.
www.piratoplast.de

Prof Hüther über das Schulsystem - unbedingt anhören - [38:36]
Veröffentlicht am 01.03.2013
Podcast vom 02.01.13

Derzeit leitet Hüther die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung an den Universitäten Göttingen und Mannheim. Die Bücher des Naturwissenschaftlers stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten.

Autorin: Monika Hebbinghaus
Sendereihe: Gesprächszeit | Nordwestradio

mein Kommentar:
Es ist anscheinend so wie bei uns Ärzten:
Die nix drauf oder keinen Bock auf Patienten haben, gehen in die Ausbildung, in die Politik oder in die Gremien…

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